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Zwickau aktuell

Ampelmännchen haben weibliche Verstärkung akzeptiert

Die erste Ampelfrau an der Kreuzung Werdauer Straße / Humboldtstraße in Zwickau. Foto: Eberhard Wenke

Vor zehn Jahren beendete die Ampelfrau in Zwickau die männliche Vorherrschaft an den Fußgängerampeln. Seitdem regeln Zöpfe und Röcke bundesweit immer häufiger den Verkehr.


ZWICKAU – Der ganz große Siegeszug, den sich die Gleichstellungsbeauftragten der Kommunen für die Ampelfrau erhofft hatten, blieb bisher aus. Noch regeln an deutschen Kreuzungen häufiger leuchtende Kerle den Verkehr, als ihr weibliches Gegenstück. Doch allmählich, sozusagen mit weiblicher List, setzen sich Zöpfe und Röcke immer mehr durch. Joachim Roßberg, Chef der gleichnamigen Zwickauer Firma für Verkehrstechnik hatte vor zehn Jahren den Geschlechterkampf in Rot-Grün eröffnet und machte die Wiege des Ost-Ampelmännchens auch zum Geburtsort seiner kleinen Schwester. „Vor allem in Sachsen können wir eine positive Bilanz ziehen“, sagte er. Roßberg hatte den damaligen Zwickauer Oberbürgermeister Dietmar Vettermann vom Drang nach Gleichberechtigung bei der Verkehrsregelung überzeugen können. Am Vormittag des 23. November 2004 endete an der Zwickauer Kreuzung Werdauer Straße / Humboldtstraße die männliche Vorherschaft. Fußgänger müssen sich seit dem von Frauen den Weg über die Straße genehmigen lassen. Das Ampelmädchen überstand zwar die drei Monate dauernde Testphase, doch dabei blieb es dann auch. An die Umrüstung bestehender Ampeln ist bis heute aus Kostengründen nicht zu denken und auch beim Neubau blieben die weiblichen Piktogramme auf der Strecke. Der rot-grünen Weiblichkeit blieb keine andere Wahl. Sie musste in die große Welt der Lichtsignalanlagen hinausziehen. Pünktlich zum internationalen Frauentag 2005 gingen die leuchtenden Mädchen in Werdau an den Start. Zur Hochburg der Ampelfrauen hat sich Dresden entwickelt. Dort sind über 100 Signalgeber in Frauenhand, wie Joachim Roßberg sagte. Im Gegensatz zum großen Bruder Ost-Ampelmann hatte es das „Ampelweibchen“ leichter sich bundesweit durchzusetzen. Sie haben nicht nur an Kreuzungen in Erfurt und Magdeburg das Sagen, sondern inzwischen unter anderem auch in Heidelberg, Kassel und Köln-Ehrenfeld.

Freilich hat das Weibliche an der Ampel die Unfallzahlen zumindest in Zwickau weder erhöht noch gesenkt. Bewährt habe sie sich jedoch als Botschafterin für die Stadt, wie Pressesprecher Mathias Merz sagte. Unmittelbar nach dem Eingriff der Ampelfrau ins Verkehrsgeschehen berichteten unter anderem die englische BBC und eine japanische Nachrichtenagentur über das Ereignis. „Seitdem erhalten wir immer wieder mal Anfragen aus aller Welt dazu“, sagte Merz. Das sei auch im Zusammenhang mit dem Vorhaben in der Partnerstadt Dortmund so. Dort will man die Hälfte der Ampelmänner in Rente schicken und durch Frauen ersetzen. Von solchen Gedanken ist die Straßenverkehrsbehörde im Landratsamt Zwickau weit entfernt. Dort hält man sich strikt an die klassische Variante. Frauen auf der Ampel sind, noch dazu als leuchtendes Beispiel, derzeit noch tabu.

In Berlin wurde der Großeinsatz der Ampelfrauen jäh gestoppt, nachdem ich SPD und Grüne in einer politischen Diskussion, über deren Sinn verheddert hatten. Überhaupt wurde in der Hauptstadt gern über das Thema gesprochen. Zuletzt 2012, als sich die Ampelfrauen in der Teltower Stadtverordnetenversammlung einem Sexismusvorwurf ausgesetzt sahen. „Eine Frau mit langen Zöpfen und schwingendem Röckchen vermittele kein zeitgemäßes Frauenbild“, lehnte die dortige SPD-Fraktionschefin Christine Hochmuth die Pläne ab und löste kurzzeitig eine bundesweite Debatte aus.  

Weltweit hat es das Zwickauer Ampelmädchen allerdings nicht als Premiere geschafft. Seit dem Jahr 2000 leuchtete „Sofie“ im holländischen Amersfort an einer Kreuzung.

Kammmolch künftig auf der Flucht?

Zwickauer Stadtrat genehmigt umstrittenes Bauvorhaben - Bürgermeister sieht Biotop gestärkt - Gegener sehen das Ende voraus

Weißenborn. An den Libellenteichen in Weißenborn können 16 Eigenheime gebaut werden. Der Stadtrat hat auf seiner jüngsten Sitzung den Baubauungsplan für das heftig umstrittene Projekt beschlossen. 22 Räte stimmten dafür, 14 dagegen, acht enthielten sich der Stimme.
Abwägung, das war am Donnerstag das von Baubürgermeister Rainer Dietrich (CDU) am häufigsten benutzte Wort. Abwägen habe man müssen, zwischen einem zugegeben schönen Stück Natur und der dringenden Notwendigkeit zur Schaffung von Standorten für Eigenheime. Leicht habe man es sich nicht gemacht. Der jetzige Bebauungsplan aber, so betonte Dietrich, komme dem Biotop sogar entgegen und verbessere die Artenvielfalt. Das Naturschutzarel werde nach Süden hin erweitert und damit insgesamt größer. Außerdem sei die Entfernung der Häuser zu den Teichen auf bis zu 35 Meter erweitert worden.
Und auch für das Wasserproblem, das unmittelbar zuvor in der Bürgerfragestunde auch von Anwohnern noch einmal thematisiert worden war, ist nach Angaben des Baubürgermeisters eine Lösung gefunden worden. Demnach bekomme jedes Haus eine Zisterne. Diese sollen das Wasser von den Feldern auffangen und danach langsam an den Weißenborner Bach abgebe. Der sei damit vor Überflutungen geschützt wie die angrenzenden Straßen. Außerdem soll einer der Teiche entschlämmt und der andere im Wasserstand um zehn Zentimeter abgesenkt werden. Außerdem verwies Dietrich auf die ursprünglichen Pläne aus dem Jahr 1996. Damals sollten an dieser Stelle Mehrfamilienhäuser mit rund 350 Wohnungen entstehen.
Für den CDU-Stadtrat Friedrich Hähner-Springmühl besteht nach wie vor keine Notwendigkeit, die Natur rund um die Libellenteiche zu zerstören. Vor allem aber sieht er ein Missverhältnis zwischen den 41 schriftlichen Einwänden mit 106  Unterschriften gegen das Projekt und gerade mal 16 künftigen Bauherren.
Henry Sippel (SPD) sieht das ähnlich. Er hatte sich den Umweltbericht, der Teil des Planes ist, genauer angesehen. Sein Fazit: Die Teiche dürfen nicht beeinträchtigt werden, weder durch das Absenken des Wasserpegels noch durch Entschlämmung. „Der Teich kriegt einen Herzstillstand“, sagte er.
Wolfgang Steinforth (SPD) suchte im selbem Bericht vergeblich konkrete Informationen über dort lebende Vögel und Schmetterlinge. Man könne über das Projekt gar nicht abstimmen, wenn man nicht wisse, ob dort noch Tiere leben, die ebenso wie der Kamm- und Bergmolch gefährdet sind.
In ungewöhnlich heftiger Weise verwahrte sich Baubürgermeister Dietrich gegen angebliche Vorwürfe von Käuflichkeit. „Es gibt keine Käuflichkeit in der Stadt. Auch bei diesem Bauvorhaben nicht“, sagte. Friedrich Hähner-Springmühl hatte zuvor die Frage gestellt, wessen Interessen hier vertreten würden. Allerdings hatte er dabei weder Namen genannt noch Vorwürfe erhoben. Gleichzeitig hatte Dietrich gesagt, dass nach seiner Kenntnis bisher kein Grundstück verkauft sei und der Stadt auch keine Klage drohe. Merkwürdig ist dabei allerdings, dass Dietrich selbst diese Klage in einer Fraktionssitzung ins Spiel gebracht hatte. Das haben mehrere Mitglieder der Fraktion bestätigt. Möglicherweise wollte er dabei aber nur die Kritiker zum Einlenken zwingen. fdf   


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